Wizard-Modell in der Gewerbeversicherung

Die Implementierung der Tarifierung, Angebots- und Antragstellung in der Gewerbeversicherung ist anspruchsvoll. Es geht um die so genannten TAA-Prozesse nach BiPRO-Norm 426. Durch den geschickten Einsatz von “Risikofragen” können Sie Praxisprobleme vermeiden. Erfahren Sie in diesem Artikel, wie Sie das Wizard-Modell implementieren.

Snoopr® - Wizard-Modell in der Gewerbeversicherung

Was ist das Wizard-Modell überhaupt?

BiPRO-Normen sind sehr mächtig. Vieles lässt sich aber trotzdem nicht oder nur auf unterschiedliche Art und Weise lösen. Wenn Sie nicht aufpassen, können hohe Anbindungsaufwände die Folge sein. Versicherer erkennen die Problemstellungen ihrer Anbindungspartner häufig nicht. Diejenigen, die ihre BiPRO-Schnittstellen auch selbst nutzen, sind hier klar im Vorteil. Das Wizard-Modell haben wir ursprünglich für diese Versicherer entwickelt.

Wizard bedeutet im Englischen soviel wie Zauberer oder Magier. Innerhalb einer Software soll er als Assistent wie von “Zauberhand” den Anwender durch komplexe Konfigurationen leiten. Aufgrund der hohen Komplexität der Gewerbeversicherung haben wir uns ein solches Assistenzsystem auf Basis von BiPRO ausgedacht. Es kann eine klassische TAA-Implementierung ergänzen und vereinfachen oder sogar ersetzen. Unsere Suchmaschine Snoopr® (www.snoopr.de) arbeitet nach diesem Prinzip.

Das Wizard-Modell nutzt die Grundprinzipien der “Risikofragen”. Hiernach formuliert der Versicherer Risikofragen in Form von so genannten Metadaten (Daten über Daten). Er verwendet dafür das Frage-/Antwort-Datenmodell der BiPRO. So können Fragen, deren Anwortmöglichkeiten und Abhängigkeiten beschrieben werden. Ein Service Consumer, der die Schnittstelle nutzt, kann diese Beschreibungen beim Versicherer abrufen. Er wird hieraus automatisch Benutzeroberflächen erzeugen. Nutzt man dieses Prinzip nicht nur für klassische Risikofragen, lassen sich mit dem Wizard-Modell zahlreiche Praxisprobleme in den Griff bekommen.

Was sind die Vorteile des Wizard-Modells?

Durch das Wizard-Modell lassen sich elementare Vorteile gegenüber einer klassischen TAA-Implementierung erzielen. Die Fachlogik bleibt weitgehend beim Versicherer und die Benutzeroberflächen des Versicherungsmaklers passen sich bei Veränderungen automatisch an. Die fortlaufenden Wartungsaufwände reduzieren sich auf beiden Seiten erheblich und die Time-To-Market steigt durch entfallende Abhängigkeit von Release-Zyklen. Außerdem erhöht sich die Usability, während zeitgleich die Fehlerquote sinkt.

  • Fachlogik weitgehend beim Versicherer
  • Benutzeroberflächen reagieren bei Veränderungen automatisch
  • Time-To-Market verbessert, da Unabhängigkeit von Release-Zyklen
  • Weniger Wartungsaufwände beim Versicherer und Service Consumer
  • Verbesserte Usability bei weniger Fehlern

Welche Praxisprobleme löst das Wizard-Modell?

Am Beispiel der Betriebshaftpflichtversicherung (BHV) möchten wir einige Probleme aus der Praxis verdeutlichen. Mit dem Wizard-Modell addressieren wir diese Probleme. In der BHV werden die zu versichernden Wagnisse, deren Risiken und Betriebsarten benötigt. Außerdem sind Angaben zur Deckung erforderlich. Aber fangen wir vorne an.

Deckungen sind im BiPRO-Standard über so genannte Elementarprodukte abgebildet. Sie werden über Schlüssel klassifiziert. In der gewerblichen Haftpflichtversicherung kommt meist nur eine Deckung mit dem Schlüssel 0401 zum Einsatz. Die in einem Elementarprodukt vereinbarte Deckungssumme gilt für alle verlinkten Wagnisse. Je Wagnis werden weitere Angaben wie z.B. die Betriebs- und Wagnisarten benötigt. Ab hier wird’s problematisch. Fangen wir mit den Betriebsarten an.

Praxisproblem: Betriebsarten

In der Gewerbeversicherung werden Informationen zum Betrieb benötigt. Insbesondere bei größeren Mischbetrieben ist die Risikoeinschätzung und Tarifierung schwieriger. In einem Betrieb kann es verschiedene Wagnisse geben, die versichert werden können.

Ein Betrieb muss zunächst klassifiziert werden. Hierfür kennt BiPRO die Betriebsarten. Die Branche konnte sich leider nicht auf einen Standard einigen. Deshalb pflegt jedes Versicherungsunternehmen eigene Betriebsartenverzeichnisse. Per BiPRO-Schnittstelle steht jedoch eine standardisierte Suche für den gefilterten Abruf dieser Listen zur Verfügung. Es handelt sich um den so genannten Generischen Listenservice gemäß BiPRO-Norm 480.7. Viele Versicherer haben die Wichtigkeit dieser Norm bedauerlicherweise noch nicht erkannt. Warum eigentlich? Sie werden einfach nicht dazu aufgefordert. Denn fast alle Service Consumer pflegen mit viel Aufwand eigene Listen, eben weil es zu wenig Services gibt. Versicherer sollten unbedingt Listenservices anbieten.

Der BiPRO-Listenservice für Betriebsarten wird mit einem Stichwort aufgerufen. Im Ergebnis liefert der Service die gefundenen Treffer mit Klartext und passendem Schlüssel zurück. Da bei der Abfrage die Spartenkennung angegeben werden muss, sollten auch nur die in der Sparte versicherbaren Betriebsarten zurückgeliefert werden. Das passiert in der Praxis leider nicht immer. Dann wird ein Makler den Prozess erst fortführen, um anschließend im Rahmen der tatsächlichen Tarifierungsanfrage auf die Finger zu bekommen. Hierunter leidet die Usability.

In der Praxis ist auch eine Suche über Spartengrenzen hinweg interessant. Die Spartenkennung ist aber im BiPRO-Standard unglücklicherweise ein Pflichtfeld und verlangt genau eine Spartenangabe. Gibt es eine übergreifende Liste, empfehlen wir für eine übergreifende Suche den Schlüssel 294 für “sonstige gemischte Versicherungen” zu verwenden. Leider gibt es im BiPRO-Service für Betriebsarten standardmäßig keine Möglichkeit, Hinweise zu Zeichnungseinschränkungen und -besonderheiten oder die Zulässigkeit als Haupt- oder Nebenbetrieb zu übertragen. Außerdem fehlt es an Informationen zur Versicherbarkeit.

Eine Erweiterung der Betriebsartensuche und das Wizard-Modell lösen diese Praxisprobleme auf und liefern wichtige Informationen über die Versicherbarkeit von Betriebsarten.

Praxisproblem: Wagnisarten

Deckungen verlinken auf die zu versichernden Wagnisse. Sie werden über ihre Wagnisart klassifiziert. Bei den Wagnissen handelt es sich um die Dinge oder Aktionen, von denen ein Haftpflichtrisiko ausgeht. Im gewerblichen Versicherungsbereich können hierunter z.B. der Betrieb von Tankanlagen oder Bäckereien, die Tätigkeit als Reiseleiter oder der Besitz von Tieren fallen. Solche Wagnisse müssen eindeutig identifizierbar sein.

BiPRO hat für die Wagnisarten bereits zahlreiche (eindeutige) Schlüssel definiert wie z. B. 1045 für Bürobetriebe. Versicherer ignorieren diese Standardschlüssel aber gerne. Darf man das denn? Wenn man sich an die Norm hält: nein. Aber es ist eine enorme Arbeit, die hausinternen Wagnisschlüssel fachlich korrekt auf die BiPRO-Schlüssel zu matchen. Da der Standard nicht vollständig und manchmal nicht eindeutig ist, müssen die fehlenden Schlüssel aufwändig und wartungsintensiv hinzugefügt werden.

Selbst wenn es gelänge, alle Schlüssel vollständig und richtig zu mappen, reicht diese Information für einen Service Consumer noch nicht aus. Nicht jede Wagnisart kann mit beliebigen anderen Wagnissarten, Betriebsarten und Deckungen kombiniert werden. Aber woher bekommt man nun die für eine Betriebsart zulässigen Wagnisarten und Kombinationsmöglichkeiten? Aus der BiPRO-Schnittstelle jedenfalls nicht. Meist stehen nur dürftige und alternde Dokumentationen der Versicherer zur Verfügung. Alternativ sieht BiPRO die Definition dieser Regeln direkt in der Schnittstelle vor (WS-Policy). Aber aufgrund der vielen Variationen funktionieren beide Konzepte in der Gewerbeversicherung leider nicht wirklich gut.

Das Wizard-Modell löst dieses Praxisproblem und stellt die einschließbaren Wagnisarten je Betriebsart zur Verfügung.

Praxisproblem: Wagnismengen

Neben der Art eines Wagnisses bestimmt der Umfang den Preis. Je nach Wagnis- oder Betriebsart unterscheiden sich aber die Berechnungsgrundlagen. Häufig wird der jährliche Umsatz des Unternehmens verwendet. In anderen Fällen sind es Lohn- und Gehaltssummen oder Stückzahlen wie z.B. die Anzahl von Personen.

BiPRO sieht für die Berechnugsgrundlagen die Felder Wagnismenge und Berechnungseinheit vor. Allerdings muss der Service Consumer die verlangten Einheiten pro Wagnisart kennen, um sie erfassen und in die Felder einzutragen. Je nach Versicherer, Produkt und Wagnis unterscheiden sich die Berechnungsgrundlagen. Und woher bekommt ein Consumer jetzt das Wissen? Aus der BiPRO-Schnittstelle jedenfalls nicht. Auch der Listenservice sieht keine Möglichkeit der Übertragung vor. Er muss die Regeln also mühsam selbst recherchieren und dauerhaft pflegen. Abweichungen zwischen Consumer und Versicherer als Provider sind hier vorprogrammiert.

Das Wizard-Modell löst auch dieses Problem und stellt je Wagnisart die Berechungsgrundlagen zur Verfügung.

Praxisproblem: Risikofragen

Ob und zu welchen Konditionen ein Wagnis versichert werden kann, erfährt man im BiPRO-Sinne erst, wenn alle Daten eingegeben und an den Versicherer abgesendet wurden. Häufig ist auch die Beantwortung von Risikofragen erforderlich.

Risikofragen unterscheiden sich je nach Betriebs- und Wagnisarten. Sie sind juristisch korrekt formuliert und können per Bedingung untereinander verknüpft sein. Auch komplexe Regelwerke lassen sich so abbilden. Aber woher bekommt ein Service Consumer die Informationen?

Die BiPRO TAA-Schnittstelle stellt drei Funktionen zur Verfügung, über die Risikofragen abgerufen werden können. Sie müssen implementiert werden, wenn Antworten auf Risikofragen benötigt werden. Die Funktionen werden von einem Service Consumer zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgerufen. Die Funktion getQuoteQuestions wird beispielsweise vor dem Tarifierungsprozess getQuote aufgerufen. Erfreulicherweise haben hier viele Versicherer bereits gute Arbeit geleistet.

Exkurs: Vorbehaltstarifierung

Risikofragen sind nicht immer unproblematisch. Ein Versicherungsmakler möchte möglichst schnell eine erste Preis-Leistungs-Indikation erhalten. Nach der groben Übersicht will er eine Auswahl treffen und sie verfeinern. Hier treffen nun zwei Welten aufeinander: auf der einen Seite der Versicherer, der gerne umfangreich Daten erheben möchte, auf der anderen Seite der Versicherungsmakler, der zunächst nur wenige Daten erfassen will. Doch wie löst man dieses Problem?

BiPRO kennt die so genannte Vorbehaltstarifierung, eine Beitragsberechnung unter Vorbehalt. Das bedeutet, dass ein Versicherer den Preis für ein übliches Risiko berechnet, weil noch keine Antworten auf Risikofragen vorliegen. Wie der Versicherer das übliche Risiko definiert, bleibt seine Sache. Er sollte aber nicht grundsätzlich Optiomalwerte für das Risiko annehmen, da der Vermittler dadurch im Folgeprozess mit hoher Wahrscheinlichkeit höhere Preise erhalten wird. Der erste Preis ist also insofern unverbindlich, als dass er sich durch die Beantwortung von Risikofragen im Prozessverlauf noch verändern kann. Die Wichtigkeit der Vorbehaltstarifierung wird häufig unterschätzt. In der Praxis ist sie aber von bedeutet und bei einigen Service Consumern sogar ein Killerkriterium für die Anbindung. Snoopr® ist z.B. einer dieser Consumer.

Wie funktioniert das Wizard-Modell?

Das Wizard-Modell setzt auf den Grundprinzipien der Risikofragen auf. Für das Modell ist eine Betriebsartensuche Voraussetzung. Die Betriebsart wird zusammen mit dem Wagnis “Gewerbliche Risiken” an die Funktion getQuoteQuestions versendet. Als Antwort sendet der Versicherer die Risikofragen in einem Fragenkomplex.

Beim Wizard-Modell ergänzt der Versicherer weitere Fragenkomplexe. Für die Kennzeichnung verwendet er die vorgesehene Erweiterungsmöglichkeit für BiPRO-Schlüssel. Der erste Fragenkomplex ist gekennzeichnet mit “Wagnismenge” und erhält nur eine entsprechende Frage. Der zweite Fragenkomplex heißt “Wagnisarten” und enthält Fragen zu einschließbaren Haftpflicht-Bausteinen, der dritte zu einschließbaren Privatrisiken. Die jeweils erste Frage aus den beiden Fragenkomplexen zu gewerblichen und privaten Haftpflicht-Bausteinen ist eine Eröffnungsfrage und bezieht sich auf den jeweils ersten einschließbaren Baustein. Die Antwort darf nur ja oder nein lauten. Erst wenn die Antwort ja lautet, werden eventuelle Folgefragen aktiv. Hierfür sind diese Fragen mit einer entsprechenden Bedingung versehen. Danach folgt die zweite Frage zum Einschluss des nächsten Bausteins mit ihren optionalen Folgefragen usw. Andere Elemente aus der BiPRO-Norm wie z. B. komplexe Fragen, Ordnungsnummern und Gliederungspunkte, etc. sollen bewusst vermieden werden.

Der Service Consumer wird die Fragenkomplexe an geeigneten Stellen in seiner Software dynamisch auswerten und z.B. eine Benutzeroberfläche generieren. Diese Oberfläche verhält sich dann wie vom Versicherer gewünscht. Nachdem die Daten vom Vermittler erfasst wurden, wird die Software den Folgeprozess beim Versicherer starten und die Antworten mitsenden.

Wie wird das Wizard-Modell konkret implementiert?

Wie wir gelernt haben, basiert das Wizard-Modell auf den Grundprinzipien der Risikofragen. Diese sind in der Gewerbeversicherung erforderlich, weshalb die Grundlagen für das Wizard-Modell bereits gelegt sind. Die zusätzlichen Aufwände sind im Verhältnis zum hohen dauerhaften Nutzwert minimal. Was bedeutet das nun im Einzelnen?

Lösung: Betriebsarten und Versicherbarkeit

Es wird die Erweiterung des BiPRO-Objektes bzw. der Klasse Betrieb im BiPRO-Datenmodel bipro-sachen erforderlich. Die Erweiterung sollte zu folgendem Ergebnis in der Antwort des Generischen Listenservice (BiN 480.7) führen. Es handelt sich um einen Ausschnitt und die XML-Namensräume wurden zugunsten einer vereinfachten Lesart entfernt.

<Betrieb>

 <Erweiterung xsi:type="vu:CT_BetriebErweiterung">
   <Sparte>Haftpflicht</Sparte>
   <Sparte>Inhalt</Sparte>
   <Sparte>Betriebsunterbrechung</Sparte>
   <Sparte>Gebaeude</Sparte>
 </Erweiterung>

 <Beschreibung>Zeichnungsbeschränkungen und Besonderheiten...</Beschreibung>
 <Betriebsart>4711</Betriebsart>
 <Stichwort>Bäckerei (ohne Cafe)</Stichwort>
 <Anteil>100</Anteil>
 <Werteinheit>10</Werteinheit>

</Betrieb>

Ob eine Betriebsart nur als Haupt- oder auch als Nebenbetrieb zulässig ist, lässt sich über die vorhandenen Felder “Anteil” und “Werteinheit” lösen. Keine Angabe oder ein Wert kleiner 100 bedeutet, dass die Betriebsart als Nebenbetrieb zugelassen ist. Das ebenfalls vorhandene Feld “Beschreibung” kann für Hinweise zu etwaigen Zeichnungsbeschränkungen oder -besonderheiten verwendet werden. Ob für eine Betriebsart die Haftpflicht, Inhalt, Gebaeude oder Betriebsunterbrechnung überhaupt versicherbar ist, erfährt der Service Consumer aus einer Erweiterung.

Lösung: Wagnisarten und Wagnismengen

Die Wagnisarten sind abhängig von der Betriebsart. Nachfolgend sehen Sie ein vereinfachtes Beispiel einer XML-Nachricht an die Funktion getQuoteQuestions. Das Wizard-Modell verzichtet auf die Verwendung der Felder Wagnismenge und Berechnungseinheit und setzt die Wagnisart fix auf 8009 (Gewerbliche Risiken).

<getQuoteQuestions>
 <Request>
  <Tarifierung>

   <Verkaufsprodukt>
     <Produkt xsi:type="CT_SUHVersicherung">
       <Elementarprodukt xsi:type="CT_Deckung">
         <ArtID xsi:type="STE_DeckungBasis">0401</ArtID>
         <VersichertesWagnis>
           <AktivitaetID>BHV</AktivitaetID>
         </VersichertesWagnis>
       </Elementarprodukt>
     </Produkt>
   </Verkaufsprodukt>

   <Aktivitaet xsi:type="CT_Betriebswagnis">
     <AktivitaetID>BHV</AktivitaetID>
     <Wagnisart xsi:type="STE_WagnisartBasis">8009</Wagnisart>
     <Betriebsart>4711</Betriebsart>
   </Aktivitaet>

   </Tarifierung>
 </Request>
</getQuoteQuestions>

Nachfolgend sehen Sie die Antwortnachricht der Funktion getQuoteQuestions. Das eingesendete Wagnis wurde vom Versicherer um vier Fragenkomplexe ergänzt. In den Fragenkomplexen Haftpflichtwagnisse und HaftpflichtwagnissePrivat sind mehrere Fragen enthalten, die voneinander abhängig sind. Eine Benutzeroberfläche wird zunächst nur die erste Frage anzeigen. Fällt die Antwort positiv aus, zeigt sich die zweite Frage.

<getQuoteQuestionsResponse>
 <Response>
  <Tarifierung>

   <Verkaufsprodukt>
     <Produkt xsi:type="CT_SUHVersicherung">
       <Elementarprodukt xsi:type="CT_Deckung">
         <ArtID xsi:type="STE_DeckungBasis">0401</ArtID>
         <VersichertesWagnis>
           <AktivitaetID>BHV</AktivitaetID>
         </VersichertesWagnis>
       </Elementarprodukt>
     </Produkt>
   </Verkaufsprodukt>

   <Aktivitaet xsi:type="CT_Betriebswagnis" xmlns:btix="http://www.b-tix.de/namespace">
     <AktivitaetID>BHV</AktivitaetID>
     <Wagnisart xsi:type="STE_WagnisartBasis">8009</Wagnisart>

    <!--Risikofragen-->
    <Fragenkomplex>
      <ArtID xsi:type="STE_FragenkomplexArtBasis">Haftpflichtwagnis</ArtID>
      <Bezeichnung>Risikofragen</Bezeichnung>
      <Element xsi:type="CT_FrageJaNein">
        <TechnischeID>Risikofrage_1</TechnischeID>
        <Text>Haben Sie einen Hauptauftraggeber, der...</Text>
      </Element>
    </Fragenkomplex>

    <!--Wagnismenge / Berechnungseinheit-->
    <Fragenkomplex>
      <ArtID xsi:type="btix:STE_FragenkomplexArtErweitert">Wagnismenge</ArtID>
      <Bezeichnung>Berechnungsgrundlagen</Bezeichnung>
      <Element xsi:type="CT_FrageZahl">
        <Erlaeuterung>Maßgeblich ist die Umsatzsumme des...</Erlaeuterung>
        <TechnischeID>Feld_Wagnismenge</TechnischeID>
        <Text>Jahresumsatz ohne MwSt. (EUR)</Text>
      </Element>
    <Fragenkomplex>

    <!--Wagnisarten-->
    <Fragenkomplex>
      <ArtID xsi:type="btix:STE_FragenkomplexArtErweitert">Wagnisarten</ArtID>
      <Bezeichnung>Haftpflicht-Bausteine</Bezeichnung>
      <Element xsi:type="CT_FrageJaNein>
        <Erlaeuterung>Über diese Position können Lageranlagen...</Erlaeuterung>
        <TechnischeID>Wagnisart_053800_Einschluss</TechnischeID>
        <Text>Heizöl zum Eigenverbrauch?</Text>
      </Element>
      <Element xsi:type="CT_FrageZahl">
        <Erlaeuterung>Es können max. 3 Tanks versichert werden.</Erlaeuterung>
        <Bedingung xsi:type="CT_Abhaengigkeit">
          <LinkerOperand>Wagnisart_053800_Einschluss</LinkerOperand>
          <Operator>gleich</Operator>
          <RechterOperand xsi:type="CT_AntwortJaNein">
            <Entscheidung>true</Entscheidung>
          </RechterOperand>
        </Bedingung>
        <TechnischeID>Wagnisart_053800_Menge_Tanks</TechnischeID>
        <Text>Anzahl Tanks?</Text>
      </Element>
      <Element xsi:type="CT_FrageZahl">
        <Bedingung>
          <LinkerOperand>Wagnisart_053800_Menge_Tanks</LinkerOperand>
          <Operator>groesserals</Operator>
          <RechterOperand xsi:type="CT_AntwortZahl">
            <Zahl>0</Zahl>
          </RechterOperand>
        </Bedingung>
        <TechnischeID>Wagnisart_053800_Menge_Liter</TechnischeID>
        <Text>Gesamtvolumen in Liter?</Text>
      </Element>
     </Fragenkomplex>

     <!--Wagnisarten (Privatrisiken)-->
     <Fragenkomplex>
       <ArtID xsi:type="btix:STE_FragenkomplexArtErweitert">WagnisartenPrivat</ArtID>
       <Bezeichnung>Private Haftpflichtrisiken</Bezeichnung>
       <Element xsi:type="CT_FrageJaNein">
         <Erlaeuterung>Die Privathaftpflichtversicherung ist...</Erlauterung>
         <TechnischeID>Wagnisart_9001</TechnischeID>
         <Text>Privathaftpflicht einschließen?</Text>
       </Element>
       <Element xsi:type="CT_FrageWerteliste">
         <Bedingung>
           <LinkerOperand>Wagnisart_9001</LinkerOperand>
           <Operator>gleich</Operator>
           <RechterOperand xsi:type="CT_AntwortJaNein">
             <Entscheidung>true</Entscheidung>
           </RenterOperand>
         </Bedingung>
         <TechnischeID>Wagnisart_9001_VP</TechnischeID>
         <MoeglicherWert>für den Inhaber</MoeglicherWert>
         <MoeglicherWert>für den Inhaber und 1 weitere Person</MoeglicherWert>
         <MoeglicherWert>für den Inhaber und 2 weitere Personen</MoeglicherWert>
       </Element>
     </Fragenkomplex>

     <Betriebsart>4711</Betriebsart>
    </Aktivitaet>

   </Tarifierung>
 </Response>
</getQuoteQuestionsResponse>
Lösung: Vorbehaltstarifierung (Risikofragen)

Für die Realisierung einer Vorbehaltstarifierung sendet der Service Consumer eine Anfrage an die Funktion getQuote. Die XML-Nachricht enthält in diesem Fall keine Antworten auf Risikofragen. Der Versicherer lehnt diese Anfrage nicht ab (Fehler 01003), sondern verwendet für die Beitragsberechnung intern angenommene Werte (Defaults). In seiner Antwort sendet der Versicherer einen Beitrag für die angefragten Wagnisarten und ergänzt sie um eine Warnung mit der ID 01006.

Fazit

Das Wizard-Modell nutzt das in der Praxis bereits erfolgreich etablierte BiPRO-Prinzip der Risikofragen. Zahlreiche Praxisprobleme werden gelöst und die Zusammenarbeit zwischen den Marktbeteiligten deutlich und dauerhaft optimiert. Wenn man sich auf einfache Fragen konzentriert und auf das “Ping-Pong-Modell” im Sinne BiPRO verzichtet, ist der Aufwand überschaubar. Alle Versionen der BiPRO-Norm unterstützen das Wizard-Modell. Probieren Sie es aus!

 

Markus Heussen

Markus Heussen ist CEO der b-tix GmbH und Mitbegründer der BiPRO.

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo Herr Heussen,
    danke für diesen aufschlussreichen Artikel. Der Einstieg innerhalb der TAA in generische Verfahren und Dialogbildung ist sicherlich zu begrüßen. Aber wer baut die Frontendlösungen?

    Stellen Sie ein Plugin sowohl für die Boxanbindung an die MVP als auch direkt über den Browser zur Verfügung?

    Ich denke hier liegt eine der Hauptbremsen, das alle Prozesse nur zwischen VR und VM normiert sind. Die konkrete Umsetzung vom VM zum VN fehlt jedoch, weil die MVP-Hersteller schlicht keine Kapazitäten und/oder keinen Willen bzw. die technische Basis (Webtechnologien) haben um das zu realisieren. Somit bleibt der Prozess immer in der Mitte hängen.

    Wir als VM können das nicht lösen und haben auch nicht die finanziellen Mittel dafür.

    Ich denke hier sollten Sie die Entwicklungsumgebung der Box mehr nach vorne Stellen und ggf. um ein generisches Dialogplugin erweitern, dass auch von Ihnen gepflegt wird. Das darf ruhig was extra kosten wie der Postkorb etc. auch.

    Damit kommt es in Gang und wir VM sind nicht mehr so vom Entwicklungswillen der MVP-Hersteller abhängig, weil ggf. nur noch die Pluginanbindung bezahlen müssen.

    Was ist Ihre Meinung dazu?
    Kollegiale Grüße

    • Hallo Herr Susai,

      vielen Dank für Ihren Beitrag! Sie haben das genau richtig erkannt. Das Wizard-Modell ist ein so genannter generischer Ansatz, der ein Plug & Play ermöglichen soll.

      Plug & Play bedeutet hier, dass ein Frontend (das Programm des Maklers mit seiner Benutzeroberfläche) ähnlich wie ein Schuko-Stecker in die gewerbliche TAA-Schnittstelle des Versicherers im Sinne einer Steckdose eingestöpselt werden kann. Ändert der Versicherer seine Logik an der Schnittstelle, ändert sich automatisch die Benutzeroberfläche des Maklers. Aus unserer Sicht ist dieses BiPRO-Prinzip, das ja ursprünglich für die Behandlung von Risikofragen in den Personensparten entwickelt wurde, im gewerblichen Bereich unabdingbar anzuwenden. Eine klassische TAA-Implementierung ist aus unserer Sicht hier nicht vertretbar.

      Allerdings haben Sie auch richtig erkannt, dass die Programmierung dieses generischen Prinzips für einen Hersteller von Maklersoftware nicht ganz so trivial ist. Er muss viele wenn nicht alle Möglichkeiten, die BiPRO im Fragen-/Antwort-Datenmodell vorsieht, berücksichtigen. Er kann nicht wissen, welche dieser Möglichkeiten ein Versicherer nutzt, um seine Produkte abzubilden. Der initiale Aufwand ist also etwas höher gegenüber einer klassischen TAA-Implementierung. Allerdings zahlt sich das extrem schnell aus. Denn jeder weitere Versicherer kann deutlich effizienter angebunden werden und die Wartungsaufwände reduzieren sich dramatisch.

      In der Tat sehe ich es auch so, dass übliche Makler und Maklerverwaltungsprogramm-Hersteller (MVP) sicherlich nicht das Know How und die Mittel zur Verfügung haben werden, eine derartige Implementierung vorzunehmen. Aber das war auch im privaten TAA-Bereich tatsächlich noch nie anders. Sie als Makler werden also ein Maklerprogramm wählen, das mit einer Tarifierungssoftware zusammenarbeitet, das die Aufgaben für Sie übernimmt. Denn MVP-Hersteller werden eine TAA-Implementierung gewöhnlich nicht selbst vornehmen, weil das nicht zu ihren Kernkompetenzen gehört.

      Wir selbst als b-tix® verproben das Wizard-Modell gerade mit drei Versicherern und es sieht vielversprechend aus. Insofern werden wir im Herbst den ersten Versicherer in Snoopr® (http://www.snoopr.de) auf dieser Basis launchen. Snoopr® wird aktuell auch bereits von den ersten MVP-Herstellern angebunden und kann von Maklern mit bis zu 100 Mitarbeitern kostenfrei genutzt werden. Über die Lösung können Sie dann auch Ihre Kunden aktiv und digital einbeziehen.

      Sollte Ihr MVP-Hersteller noch keine Anbindung an Snoopr® haben und auch keine planen, können Sie Snoopr® auch völlig unabhängig vom MVP nutzen oder in selbstentwickelte Maklersysteme per Schnittstelle einbinden. Insofern glaube ich, dass das eine Lösung für Sie als Makler sein könnte, für die Sie nichts bezahlen müssen. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass zu Anfang noch nicht alle Ihre bevorzugten Versicherer mit an Bord sein werden. Immerhin müssen sie ja auch das Wizard-Modell unterstützen. Hierbei können wir zwar auf verschiedene Art und Weise unterstützen, aber es braucht i. d. R. alles etwas Zeit in unserer Branche – leider 🙁

      Ich freue mich, wenn Sie am Thema dran bleiben und uns hier begleiten. Ich lade Sie gerne ein, als Pilotpartner am Test teilzunehmen.

      Viele Grüße,
      Markus Heussen

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